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Katholische
Gemeinde St. Johannes Pfarrei St. Franziskus, Bochum Süd |
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Der Kreuzweg in St. Johannes Der Kreuzweg in unserer Kirche ist
nach wie vor in der Gemeinde umstritten, einhelliger Zustimmung stehen
kritische Stimmen gegenüber. Ob der Kreuzweg formal höchsten
künstlerischen Ansprüchen standhält oder aber eher
kunsthandwerklichem Können entspricht, kann offenbleiben. Wichtig
allein ist, ob er von der Gemeinde St. Johannes so gewollt und vor
allem, ob er angenommen wird. Das Annehmen, die Bereitschaft, den
Leidensweg Christi mitzuvollziehen, Kreuzweg zu beten, ist die eigentliche
Schwierigkeit bei uns Gottesdienstteilnehmern in der heutigen Zeit.
Naturkatastrophen, Kriege, Hunger, Folterungen und Vergewaltigungen,
auch Kriege um des Glaubens willen, die uns tagtäglich durch
Presse, Funk und Fernsehen ins Haus kommen - alles das ist verbunden
mit Leidenswegen unzähliger Menschen - haben uns weitgehend abgestumpft
und unfähig gemacht, uns mit dem Leidensweg, dem Kreuzweg unseres
Herrn Jesus Christus ernsthaft auseinanderzusetzen. Der nachfolgende Beitrag will versuchen, uns den Kreuzweg in unserer Kirche etwas näherzubringen, ihn besser verstehen, ihn eventuell sogar lieben zu lernen durch das Wissen um die Vorgaben der Gemeinde, die Intentionen des Künstlers, die handwerkliche Ausführung als Mosaik und die Aussagekraft der einzelnen Stationen und des Gesamtwerkes.
Die Vorgaben der Gemeinde Der 1971/72 völlig neu gestaltete
und erweiterte Kirchenraum mit den neuen Querschiffen und der Altarinsel
im Schnittpunkt des Mittelschiffs und der Querschiffe machte es erforderlich,
in der noch kahlen Kirche auch einen neuen Kreuzweg zu schaffen. Die
Wiederverwendung des alten Kreuzweges mit den vierzehn Stationen,
die dem Charakter von Historienbildern der 2. Hälfte des vorigen
Jahrhunderts entsprach und als Vielfachproduktion in zahlreichen Kirchen
anzutreffen war, wurde verworfen. Der Künstler Im Jahre 1976 beauftragte der Kirchenvorstand den Maler und Glasbildner Albert Sögtrop, Krefeld, Entwürfe für einen Kreuzweg zu erarbeiten. Sögtrop war der Kirchengemeinde bereits durch hervorragende künstlerische Arbeiten bekannt. Als erste Arbeit gestaltete er 1968 die Kirchenfenster der Kapelle des St.-Johannes-Stiftes. Es folgten 1971/72 die beiden großen Betonglas-Rasterfenster in den neuen Querschiffen, nach Osten in blauem, nach Westen in rotem
Grundton, die bleiverglasten Fenster in den Seitenschiffen und im ehemaligen Chorraum. 1974/75 übernahm er die Gesamtgestaltung der Mutter Gottes- und Gedächtniskapelle mit der von farblich intensiven Mosaiken eingefassten Ikone der Mutter Gottes.
Der Künstler lebte mit seiner Familie bei Krefeld auf dem Lande, "mitten unter Schafen", wie er es nannte, lehrte an der Kunstakademie in Düsseldorf Glas-bildnerei und hat vor allem im Rheinland viele Kirchenfenster und Mosaiken gestaltet. Aber auch in Profanbauten hat er Farbfenster und Mosaiken geschaffen, so zum Beispiel im Foyer der Aral-Hauptverwaltung an der Wittener Straße, in der Eingangshalle des Rathauses in Krefeld und Bodenmosaiken in Wohnhäusern in Stiepel und Wiemelhausen. Albert Sögtrop ist bereits drei Jahre nach Fertigstellung des Kreuzweges im Alter von 53 Jahren durch plötzlichen Herztod verstorben. Entwürfe und Materialauswahl Der Künstler legte 1976 mehrere
auf Karton gemalte Entwürfe im Maßstab 1:1 vor, außerdem
einen Gesamtentwurf für die östlichen Kirchenwände
im Maßstab 1:20. Letzterer wurde ein Abschiedsgeschenk an den
scheidenden Vikar Schuster Ausgangsmaterialien waren bei unterschiedlicher
Bearbeitung Glas, Keramiken, polierte, geschliffene und matte Natursteinmaterialien
verschiedener Herkunft und dunkler, gebrochener Granit, vornehmlich
für die Kreuzdarstellungen. Die handwerkliche Ausführung Etwa drei Monate arbeitete Sögtrop an dem Mosaik-Kreuzweg. Während dieser Zeit fuhr eine kleine Gruppe von Gemeindemitgliedern nach Krefeld, um erste Ergebnisse zu sehen. Das Atelier war eine umgebaute Scheune mit sehr viel natürlichem Oberlicht und zusätzlicher künstlicher Beleuchtung. Auf dem Tennenboden war in etwa vierzig Zentimeter Höhe eine begehbare Arbeitsfläche in Holzkonstruktion gebaut. Auf diesem etwa 5,00 x 2,50 Meter großen Arbeitstisch waren Kopien der Entwürfe M. 1:1 aufgezogen, darüber ein grobmaschiges Jutenetz gespannt, auf das die einzelnen Mosaiksteine geklebt wurden. Ein Schneide- und Sägetisch mit Diamantwerkzeugen und ein großer Hauklotz mit Werkzeug, das die Schieferdachdecker verwenden, diente zur Bearbeitung der verschiedenartigen Mosaiken. Den Künstler dort arbeiten zu sehen, war für uns Besucher ein spannender Vorgang, wissend, dass die Mosaik-Kunst in Europa fast ausgestorben ist. Nach der Fertigstellung im Atelier wurden etwa ½ qm große Mosaikflächen durch Zerschneiden der Juteunterlage herausgetrennt, transportiert und in die Wandflächen unserer Kirche eingelassen, beigespachtelt und gefugt. Die Montage vor Ort dauerte noch einmal eine Woche. Der "andere" Kreuzweg Die lückenlose Aneinanderreihung
der vierzehn Stationen mit geringen Abständen scheint oberflächlich
betrachtet schwerer verständlich als bei Einzelstationen zu sein,
weil ein Höhepunkt (Station) den nächsten Höhepunkt
"aufzufressen" scheint. Es war vom Künstler gewollt,
den Betrachter, den Beter, die Stationen selbst erkunden zu lassen,
um ihn zu intensiverer Auseinandersetzung mit den Einzelstationen
zu bewegen.
die weinenden Frauen und die Kreuzabnahme. Die Grablegung ist die Schluß-Station des Kreuzweges. Damit endet das Kreuzwegthema. Der Künstler hat aber unserem Kreuzweg eine fünfzehnte Station zugeordnet, die Auferstehung Christi. Er belässt es also nicht beim Leidensweg, bei Karfreitag, sondern sagt "Christ ist erstanden von der Marter alle".
Schlussbetrachtung Der Leidensweg Christi ist als Leidensgeschichte in den Evangelien eindrucksvoll beschrieben. Zu allen Zeiten haben Bildhauer, Maler, Glasbildner, aber auch Musiker versucht, Kreuzweg, Leidensweg, Passion nachzuzeichnen, sichtbar oder hörbar zu machen, jeder in seiner künstlerischen Sprache. In unserer Kirche ist er als Mosaik eindrucksvoll gelungen und wird ergänzt durch die fünfzehnte Station mit dem "Halleluja, Christus ist wahrhaft auferstanden". Der Gemeinde St. Johannes sei gedankt, den Mut zu der Entscheidung für einen anderen Kreuzweg aufgebracht zu haben. Rolf Quinkert
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