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Katholische
Gemeinde St. Johannes
Pfarrei St. Franziskus, Bochum Süd
Weiterleitung zum Auftritt der Pfarrei St. Franziskus

 

Die Krippen

Es passt gut in die Weihnachtsausgabe "Unsere Gemeinde", über unsere Krippen zu berichten.

Bis 1978 stand in unserer Kirche zur Weihnachtszeit eine Krippe mit gefassten (farbigen), Gipsfiguren, vielleicht 70 bis 80 Jahre alt; den älteren Pfarrangehörigen in lieber Erinnerung - aufgebaut am Marienaltar - mit Sackleinen ausgeschlagen - geschmückt mit Tannengrün, Weidenkätzchen und Hyazinthen - dem Empfinden der damaligen Zeit entsprechend.
Einige Jahre haben wir die Krippe im Speisesaal des Johannes-Stiftes und zuletzt 1998 in unserem Pfarrsaal anlässlich einer Ausstellung gezeigt. Wir werden sie sorgfältig aufbewahren.

Wie kamen wir zu der jetzigen Krippe, die in diesem Jahr zum 22. Mal in unserer Kirche steht? Dazu ein Rückblick.


Kirchenvorstandsitzung Ende Januar 1979: Ein Mitglied erzählte begeistert von der Anschaffung einer neuen Krippe in Horneburg. Wäre das nicht auch eine Bereicherung für unsere Gemeinde? Eile war geboten - Lichtmess werden die Krippen in den Kirchen abgebaut. Ein Ehepaar besuchte den Pfarrer der Gemeinde Horneburg, um ihn nach der Herkunft der Neuanschaffung zu befragen. Die Krippe wurde im Telgter Museum gekauft, war aber in der Kirche schon weggeräumt.

Der Hinweis, dass es in Dortmund-Derne eine Darstellung von derselben Künstlerin gibt, machte uns neugierig. Wir fuhren mit einigen Gemeindemitgliedern dorthin und fanden sie beeindruckend. Anschließend besuchten wir die Künstlerin, Frau Agathe Henning, in Henrichenburg zu einem Gespräch - man wurde sich einig, die Figuren bis Weihnachten zu fertigen. Diese Zusage begeisterte ganz besonders die Frauen der kfd. Spontan wurde für die Anschaffung gesammelt. Später ergänzte die kfd unsere Krippe durch weitere Figuren - zur Freude der Gemeinde.

Einige Gedanken zu unseren Krippenfiguren. Frau Henning hat die Köpfe, die Hände und die Füße handgeschnitzt. Die Körper sind so gestaltet, dass jede Figur eine ganz typische Haltung bekommen konnte. Alle tragen farbige Stoffkleidung, die ansprechend und passend zugeordnet ist.

Maria und Josef sind in stiller Anbetung ganz dem Kind zugewandt mit behütenden Händen. Darüber erscheint der Engel als Lichtgestalt und zugleich als Verkünder der frohen Botschaft. Die Hirten - Männer und Frauen, alte und junge - bringen dem Neugeborenen ihre Geschenke in Ehrfurcht und Staunen. Die Kinder treten behutsam vor das Christkind und zeigen unbeschwert auf ihre Art Freude über die Geburt. Die Könige, prachtvoll gewandet, nähern sich dem Geschehen majestätisch und doch demütig. Hinter ihnen steht der Treiber mit erstauntem und spähendem Blick. Die Tiere umlagern die Krippe - das reichgeschmückte Kamel, der vollgepackte Esel, große und kleine Schafe und der schwarze Hund.

Der Krippenaufbau ist bewusst niedrig gehalten, um einen guten Blick für Große und Kleine zu haben. Ich freue mich besonders, wenn an der Krippe Kinder stehen, vorsichtig den Hund anfassen und streicheln und durch ihre Händchen leichte Spuren im Sand hinterlassen. Die Vielfalt in Ausdruck, Haltung, Kleidung und die liebevoll gestalteten Details geben ein harmonisches Bild. Auf der Krippana in Losheim im Jahre 1988 war unsere Krippe ein besonderer Anziehungspunkt. In unserer Kirche findet sie in der Weihnachtszeit viele Bewunderer. Hier gilt ein herzlicher Dank dem ehemaligen Küster, Herrn de Goede mit seiner Familie, die stets mit viel Fantasie für einen guten Aufbau gesorgt haben.

Durch die vielen Figuren ließ sich eine Idee verwirklichen. Seit 1992 werden in den Adventwochen verschieden gestaltete Szenen gezeigt. Auf diese Weise möchten wir das Zugehen auf Weihnachten schrittweise deutlich machen. Diese Krippe steht nicht - wie die große Weihnachtskrippe - im Chorraum, sondern im rechten Seitenschiff der Kirche. Die Szenerie wurde von Mitgliedern der Gemeinde entworfen und gestaltet - die Figuren entsprechend umgewandet. Nach der Verkündigung der Geburt des Johannes (unseres Pfarrpatrons) an Zacharias bringt der Engel Gabriel Maria die Botschaft, dass sie die "Mutter Gottes" werden soll. Ebenso dargestellt werden der Besuch Marias bei Elisabeth und die Herbergssuche.

Am Ende der Weihnachtszeit, zu Mariä Lichtmess, sehen wir die Tempelszene in der Hanna und Simeon voller Freude den Heiland begrüßen.

In unserem Leben brauchen wir immer wieder Zeichen und Bilder, die uns anrühren, die Herz und Sinne öffnen. Vielleicht regt dieser Bericht an, darüber nachzudenkenn, was unsere Krippe mit ihren Figuren den Alten und Jungen in der Gemeinde bedeutet. Wir sehen ein Bild. Und doch darf dieses Bild nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gott selbst heimatlos in Armut und Not geboren ist. Auch jeder von uns trägt in seinem Leben schmerzliche Erfahrungen und Erinnerungen. Die Botschaft, die am Ursprung dieses Festes steht, steht oft im Widerspruch zu unserer Welt. Doch die Hoffnung und die Zusage Gottes durch den Engel bleibt:

"Fürchtet Euch nicht! Denn siehe, ich verkünde Euch eine große Freude. Euch ist heute der Heiland geboren".

Christel Hanefeld