Geistliche Gedanken in besonderen Zeiten – Nr. 31

Liebe Schwestern und Brüder,

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

in dieser Woche habe ich mir ein neues Smartphone gekauft. Es musste sein. Das alte war doch schon sehr in die Jahre gekommen und weil jetzt auch noch der Ein- bzw. Ausschalter nicht mehr funktionierte, musste ich mir einigermaßen schnell ein neues Handy besorgen. Die Zeit mit dem nicht mehr funktionstüchtigen Handy war allerdings dann doch gar nicht so verkehrt: ich kam nämlich gar nicht erst auf die Idee, es überallhin mitzunehmen. Und dass es nicht möglich war, noch „mal eben“ meine Emails abzufragen oder genauso „mal eben“ eine Messenger-Nachricht an irgendwen wegen irgendetwas zu schicken, habe ich auch nicht als großen Verlust empfunden; viel eher als einen Moment der Freiheit.

Als mein neues Handy nach ein paar Tagen erzwungenen „Verzichts“ bei mir ankam, ist mir als erstes ein kleiner Text aufgefallen, der auf der Rückseite des Handys aufgedruckt ist. Da heißt es: „Warnung! Ein Smartphone kann ein Zeitkiller sein. Es gibt für Dich heute kein größeres Geschenk als die nächsten 24 Stunden. Gehe weise damit um. Menschen sind wichtiger als Maschinen.“ Mich haben diese Sätze nachdenklich gemacht: Gehe ich mit diesem Geschenk eigentlich richtig um? Setze ich für mich die richtigen Prioritäten? Nehme ich mir für die richtigen Dinge Zeit? Welche anderen Zeitkiller rauben mir Zeit und Energie?

Die Inschrift meines Handys ist mir dann auch zum Schlüssel für das Evangelium des kommenden Sonntags (Matthäusevangelium Kapitel 22, Verse 15-21) geworden. Die Geschichte eines beeindruckenden Disputs, ein Lehrstück der Streitkultur und Schlagfertigkeit dieses Jesus! In seiner Auseinandersetzung mit der gelehrten religiösen Elite – wenn Sie erlauben: diesen Besserwissern und Wortklaubern mit ihren Schein-Problemen (dem Dilemma, ob man die jüdische Tempelsteuer mit den „heidnischen“ Kaisermünze bezahlen darf oder nicht) – weist Jesus pointiert in einer offenen Frage auf das Wesentliche hin: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (Mt 22,21).

Damit endet die biblische Episode und lässt die Frage offen: Was gehört Gott denn eigentlich? Und was könnte ich ihm geben? Für mich zählt heute der Impuls, den mir mein neues Handy gegeben hat: ein bisschen Zeit im durchgetakteten Tagesablauf, für mich, für Gott und für die Menschen, die mir wichtig sind.

Bleiben Sie behütet!

Alexander Jaklitsch, Pastoralreferent

Alexander Jaklitsch