21.03.2020: Geistliche Gedanken in besonderen Zeiten – Nr. 2

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

„Laetare“, so heißt dieser Fastensonntag nach den ersten Worten des lateinischen Eingangsgesangs: Laetare – „freue dich!“.

Abgesehen davon, dass es schwierig bis unmöglich ist, sich zu freuen, wenn man zur Freude aufgefordert wird, ist wohl vielen gerade in den letzten Tagen und Wochen die Freude vergangen. Zu ungewohnt, ja zu bedrohlich erscheint die momentane Situation. Von Freude keine Rede. Und auch auf die schöne Liturgie und die besondere rosa Farbe der Gewänder, die vielleicht noch etwas von dieser Freude ausstrahlen könnten, müssen wir im Moment verzichten. Eine besondere Art des Fastens und Verzichtens: Von Freude keine Spur. Oder doch? Freude bedeutet für mich eine Haltung, eine Art, wie man den verschiedenen Erfahrungen des Lebens begegnen kann. Nicht ausgelassene Freude also – danach ist auch mir im Moment nicht zumute – aber doch innere Freude.

Bei alldem was im Moment schwierig und belastend ist, gibt es doch einige Momente, in denen ich in den letzten Tagen Freude erleben durfte.

Ein paar Mosaiksteine: Wenn wir abends um 19.00 Uhr mit der Familie am Fenster stehen, eine Kerze anzünden und das Vater unser beten und ich unsere Nachbarn „von gegenüber“ sehe, die auch am Fenster stehen und beten, freue ich mich, weil ich eine Gemeinschaft spüre trotz aller Widrigkeiten. Und auch, dass sich diese Aktion schneller als das Virus ausgebreitet hat, macht mir Mut. Freude merke ich bei mir auch da, wo es innerhalb ganz weniger Tage, dafür aber mit sehr viel ehrenamtlichem Engagement, möglich ist, diese Impulse und Informationen zu verschicken. Ich freue mich auch, wenn ich höre, dass Eltern aus dem Kindergarten organisieren, dass ihre Kinder für die Bewohner*innen im Johannesstift Bilder malen, um ihnen eine Freude zu machen. Und nicht zuletzt spüre ich Freude auch dort, wo es ganz spontan gelingt, dass 20 Menschen aus unserer Pfarrei und darüber hinaus, über die „Grenzen“ von Gemeinde und Konfession hinweg, abends die Komplet beten – digital und gemeinsam.

Die derzeitige Situation ist ohne Frage eine Herausforderung, zusätzlich ist sie aber auch eine Schule des Sehens: jene kleinen Freuden zu sehen, die schon auf Ostern verweisen und die zu einem Mosaik werden können. Wie sehen Ihre Mosaiksteine aus?

Das Zitat, das am Anfang der Messtexte für den heutigen Sonntag steht, geht noch weiter: „Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung“ (vgl. Jes 66, 10-11). Für diesen Sonntag und die kommenden Tage wünsche ich Ihnen solche verwandelnde Erfahrungen: dass sich dann und wann Trost und Freude einstellen. Bleiben Sie und alle, die Ihnen wichtig sind, gesund und behütet unter dem Segen Gottes!

Alexander Jaklitsch, Pastoralreferent