Impuls Nr. 162
Fasten - nicht nur Verzichten
Als Indie-Pop-Band labelt sie das Internet: Fortuna Ehrenfeld. Anders als ein geschätzter Theologenkollege, den ich im Konzert traf und der dort war, weil er sie kannte (Hut ab!), wäre ich ohne Tipp und Begleitung meines Bruders wohl kaum dort gelandet.
Von „eigenwilliger Poesie und unberechenbaren Klangkosmen“ kann man lesen. Stimmt: „Die Engel ziehen blank und singen Halleluja.“ Texte zwischen skurril und ehrlich, von romantisch bis politisch. Und ein Publikum, bei dem ich zwischendurch dachte: "Wieviel (oder eher wenig) hätten sich wohl diese und unsere Gottesdienstgemeinden oder die Beter beim „Ewigen Gebet“ in dieser Woche in unserer Pfarrei zu sagen"?
Es sind schon tendenziell andere Milieus – obwohl es inhaltlich viele Schnittmengen gäbe: „Zusammenhalten – weitermachen“ wurde zwischendurch zum Motto erkoren. Es gab durchaus auch religiös anschlussfähige Dimensionen im Konzert, auch wenn es wirklich nicht fromm sein wollte. So wie umgekehrt in Gebet und Anbetung auch Dimensionen stecken, die nicht immer jeder ahnt: Beten ist wünschen, nur feuriger, formulierte Dorothee Sölle. Und sich (nur) dem Höchsten zu beugen, hat auch etwas Politisches.
In wenigen Wochen steht Jesu Leiden im Focus und als Symbol das Kreuz. Die Formen unserer Liturgie sind gerade in den Kar- und Ostertagen sehr traditionsgeladen. Können wir damit punkten bei „´den` Menschen von heute“? „Die Kirche stammelt Symbole“ hat mal einer mit Blick auf die Tage gesagt. Vielleicht sprechen die aber in unseren Tagen, wo so vieles in der Welt aus den Fugen gerät, gerade neu: Wir halten uns an den, der ans Kreuz gebunden ist. Denn das steht fest, auch wo die Welt durchdreht. Stat crux, dum volvitur mundus. (Wappenspruch der Karthäuser)
Frohe Grüße
Thomas Köster
Pfarrer der Pfarrei St. Franziskus