Impuls Nr. 168
Kirche verwirklichen
Der folgende Satz ist mir bei einem Vortrag vor den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unserem Bistums vergangene Woche hängengeblieben:
Es geht nicht darum, Kirche zu retten, sondern zu verwirklichen!
Im ersten Reflex fragte ich mich ein wenig trotzig, ob es denn nicht gut ist, die Kirche retten zu wollen, wenn sie mir lieb und teuer ist. Doch dann rührte sich eine andere Stimme in mir: Was bildet du dir ein, die Kirche retten zu können. In einem bekannten Kirchenlied heißt es: Die Kirche ist erbauet auf Jesus Christ allein.
Was meint der Begriff "Kirche" hier?
Natürlich nicht das Kirchengebäude.
Ist es eine bestimmte Gestalt der Kirche, eine Kirchenstruktur? Ist es nicht vielmehr ein Ereignis, ein Geschehen?
Von Martin Buber, einem jüdischen Religionsphilosophen stammt der Satz "Alles wirkliche Leben ist Begegnung". So ist auch Kirche wesentlich Ort der Begegnung. Gott und Mensch begegnen sich. Menschen begegnen sich und entdecken darin göttliche Gegenwart.
Jesus hat keine Strukturen gerettet. Er hat vor allem gelebt, was ihm wesentlich war, die Beziehung zu Gott und den Menschen. Er fühlte und machte sich frei von Strukturen, die diesem Beziehungsgeschehen im Wege standen.
Was ist dann in der Nachfolge Jesu meine Rolle in der Kirche? Was ist meine Rolle als Teil der Kirche?
Es ist nicht der rückwärtsgewandte Versuch zu retten, was zu retten ist, sondern der Freimut in Gemeinschaft zu verwirklichen, was Jesus betonte und bezeugte: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."
Kirche verwirklicht sich in gelingenden Begegnungen, in- und außerhalb der Kirche. Kirche geschieht, Kirche ereignet sich.
Es geht nicht darum, Kirche zu retten, sondern zu verwirklichen!
Das ist doch ein schöner Dienst. Möge dir und mir das mit Gottes Geist gelingen,
P. Winfried Pauly
(Redemptorist und Sozialpastor in der Hustadt)